Merken An meinem Küchentisch saß ich eines Abends mit einem Topf dampfender Brühe, einer Handvoll welkem Spinat und dem Rest eines Brathähnchens vom Vortag. Ich hatte keine feste Vorstellung, nur den Wunsch nach etwas Wärmendem. Als ich die getrockneten Tomaten aus dem Glas fischte, erfüllte ihr würziger Duft die Küche und plötzlich wusste ich genau, wohin die Reise ging. Die Sahne machte alles samtig, der Parmesan gab dem Ganzen Tiefe. Was als Resteverwertung begann, wurde zu meinem liebsten Seelentröster an grauen Tagen.
Als meine Schwester mich letzten Winter besuchte, stand sie in der Küchentür und beobachtete mich beim Kochen. Sie sagte nichts, aber ich sah, wie ihre Augen sich weiteten, als die Sahne in die Brühe einrührte und alles zu einer seidigen Masse wurde. Wir aßen schweigend, nur unterbrochen vom Klappern der Löffel und ihrem leisen Seufzer nach dem ersten Bissen. Seitdem schickt sie mir jedes Mal eine Nachricht, wenn draußen Schnee fällt.
Zutaten
- Gekochtes, zerrupftes Hühnchen (2 Tassen): Verwende ruhig ein fertiges Brathähnchen, das spart Zeit und gibt der Suppe einen röstigen Unterton, den frisch gekochtes Fleisch nicht hätte.
- Olivenöl (1 Esslöffel): Es bildet die aromatische Basis und trägt die Hitze sanft, ohne zu verbrennen.
- Zwiebel, gewürfelt (1 mittelgroße): Sie wird weich und süß, wenn du ihr genug Zeit gibst, und legt das Fundament für die gesamte Suppe.
- Knoblauch, gehackt (3 Zehen): Brate ihn nur kurz an, sonst wird er bitter, aber genau richtig entwickelt er diesen unwiderstehlichen Duft.
- Karotte, gewürfelt (1 große): Sie gibt der Suppe Struktur, eine leichte Süße und sieht einfach schön aus.
- Babyspinat, grob gehackt (3 Tassen): Er fällt beim Kochen zusammen, also keine Sorge, wenn es erst nach viel aussieht, am Ende ist es genau richtig.
- Getrocknete Tomaten in Öl, abgetropft und gehackt (½ Tasse): Sie bringen diese intensive, sonnige Würze, die der Suppe ihre toskanische Seele gibt.
- Hühnerbrühe, natriumarm (4 Tassen): Die Grundlage für alles, wähle eine gute Qualität, denn hier zeigt sich der Geschmack.
- Sahne (1 Tasse): Sie macht die Suppe samtig und rund, aber wenn du möchtest, kannst du auch halb Milch nehmen.
- Italienische Kräuter, getrocknet (1 Teelöffel): Eine Mischung aus Basilikum, Oregano und Thymian genügt, um den Geschmack nach Mittelmeer zu holen.
- Chiliflocken (½ Teelöffel, optional): Nur eine Prise, aber sie hebt alle Aromen und gibt eine sanfte Wärme.
- Salz und schwarzer Pfeffer: Schmecke immer am Ende ab, jede Brühe ist anders.
- Parmesan, frisch gerieben (¼ Tasse, optional): Er schmilzt in die heiße Suppe und verleiht ihr eine nussige, salzige Tiefe.
Anleitung
- Die Basis aufbauen:
- Erhitze das Olivenöl in einem großen Topf bei mittlerer Hitze und gib Zwiebel und Karotte hinein. Lass sie etwa 5 Minuten sanft brutzeln, bis die Zwiebel glasig wird und die Küche nach Zuhause riecht.
- Knoblauch wecken:
- Rühre den gehackten Knoblauch ein und lass ihn nur eine Minute duften. Pass auf, dass er nicht braun wird, sonst schmeckt alles bitter.
- Aromen vertiefen:
- Gib die getrockneten Tomaten und die italienischen Kräuter dazu und brate alles 2 Minuten an. Jetzt wird es herrlich würzig.
- Flüssigkeit einbringen:
- Gieße die Hühnerbrühe hinzu und lass alles sanft köcheln. Die Aromen fangen jetzt an, sich zu verbinden.
- Hühnchen einrühren:
- Gib das zerrupfte Hühnchen in den Topf und lass es 10 Minuten mitköcheln. Es saugt die Aromen auf und wird unglaublich zart.
- Cremig machen:
- Rühre die Sahne, den Spinat, Salz, Pfeffer und Chiliflocken ein. Köchle alles weitere 5 Minuten, bis der Spinat zusammenfällt und die Suppe samtig wird.
- Vollenden:
- Nimm den Topf vom Herd und rühre den Parmesan ein, falls du ihn verwendest. Schmecke ab und korrigiere mit Salz oder Pfeffer, bis es perfekt ist.
- Servieren:
- Schöpfe die Suppe in Schalen, streue noch etwas Parmesan darüber und träufle bei Lust einen Schuss Olivenöl darauf. Jetzt kannst du genießen.
Merken Einmal habe ich diese Suppe für eine Freundin gekocht, die gerade eine schwere Woche hinter sich hatte. Sie saß am Tisch, umklammerte die Schale mit beiden Händen und sagte nichts. Nach einer Weile sah sie mich an und meinte nur: Das ist genau das, was ich gebraucht habe. Manchmal ist eine Suppe eben mehr als nur Essen.
So wird die Suppe noch besser
Wenn du die Suppe am Vortag kochst, schmeckt sie am nächsten Tag sogar noch intensiver, weil alle Aromen Zeit hatten, sich richtig zu umarmen. Bewahre sie im Kühlschrank auf und wärme sie bei niedriger Hitze auf, vielleicht mit einem Schuss Brühe, falls sie zu dick geworden ist. Ich friere manchmal Portionen ein, aber lass die Sahne dann lieber weg und rühre sie erst nach dem Auftauen frisch ein. So bleibt die Konsistenz perfekt samtig.
Was dazu passt
Ein knuspriges Ciabatta oder Sauerteigbrot zum Eintunken ist für mich ein Muss, weil ich jede cremige Spur aus der Schale wischen will. Ein einfacher grüner Salat mit Zitronendressing bringt Frische, die den reichhaltigen Geschmack ausgleicht. Manchmal röste ich auch Pinienkerne und streue sie über die Suppe, das gibt einen nussigen Crunch. Ein Glas leichter Weißwein schadet auch nicht.
Variationen und kleine Tricks
Du kannst die Sahne durch Kokosmilch ersetzen, wenn du es exotischer magst, das gibt eine überraschend milde Süße. Für mehr Substanz rühre eine Dose abgetropfte weiße Bohnen mit ein, die machen die Suppe sättigender. Wenn du keinen Spinat magst, nimm Grünkohl, aber schneide ihn klein und lass ihn etwas länger köcheln.
- Ein Spritzer Zitronensaft am Ende hebt alle Aromen und macht die Suppe lebendiger
- Wenn du kein Brathähnchen hast, brate einfach Hähnchenbruststücke in der Pfanne an und zerrupfe sie danach
- Frische Basilikumblätter als Garnitur machen optisch und geschmacklich einen großen Unterschied
Merken Diese Suppe erinnert mich jedes Mal daran, dass gutes Essen keine komplizierten Zutaten braucht, sondern nur ein bisschen Geduld und Liebe zum Detail. Ich hoffe, sie wärmt dich genauso wie mich.